Das erleichtert Kindern die Trennung: 3 goldene Regeln
  • Sandra Hinte

Was Du tun und lassen solltest, um Deinen Kindern die Trennung zu erleichtern: 3 goldene Regeln

Aktualisiert: Juni 2


Ich habe in meinen ersten 20 Lebensjahren selbst drei Scheidungen meiner Mutter miterlebt – glücklicherweise alle mehr oder weniger rosenkriegsfrei.


Meine eigene Beziehung zerbrach nach 30 Jahren, und ich bin mehr als dankbar, dass es mein Ex-Mann und ich geschafft haben, unsere drei Kinder bei allem Schmerz, den eine Scheidung für alle Familienmitglieder bedeutet, so heil und stabil wie möglich durch diesen Prozess begleitet zu haben.


3 goldene Regeln für eine Trennung mit Kindern


Erst vorgestern auf dem Tennisplatz hab ich wieder eine Geschichte gehört, in der es um die Folgen einer Scheidung ging und vor allem um das schwächste Glied in dieser Kette: die Kinder.


Was ich da so alles in meinem Umfeld mitkriege, macht mich manchmal sauwütend … Warum?


Weil man fassungs- und hilflos zuschauen muss, wie achtlos ausgerechnet die unschuldigsten Beteiligten, die am meisten Schutz bedürfen, instrumentalisiert, manipuliert und zwischen die Fronten getrieben werden.



Bei meiner eigenen Biografie ist es kein Wunder, dass mir dieses Thema am Herzen liegt. Aus diesem Grund gebe ich Dir später 3 goldene Regeln bzw. 3 'Lass-das-seins' an die Hand, um Deine Kinder möglichst unbeschadet durch die Zeit während und nach der Trennung zu begleiten.


Aber lass uns mit der Zeit vor einer Trennung beginnen:

Kinder als Kitt versus Trennung trotz Kindern


Gemeinsame Kinder sind – vor allem solange sie noch im elterlichen Haus leben – meist die stärkste Motivation, wenn es darum geht, eine Beziehung aufrechtzuerhalten, die ansonsten vielleicht schon längst gescheitert wäre.



Daran ist nichts Verwerfliches, solange Konflikte nicht eskalieren oder die Familie nicht in einem Nebel aus ewigem Schweigen oder permanenten Anfeindungen und Sticheleien gefangen ist.


Wenn sich beide Partner eine zumindest kleine Basis aus Respekt, Wertschätzung und Zuneigung erhalten konnten und dann beschließen, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, Probleme anpacken und mögliche Perspektiven entwickeln, kann sich die Überwindung von 'Durststrecken' definitiv lohnen – auch und gerade 'nur' der Kinder zuliebe. Aber:

Kein Kind kann kitten, was schon im Kern zerbrochen oder zerrissen ist.


Noch weniger sollte es die – bewusst oder unbewusst erteilte – Mission eines Kindes sein, dieser Kitt zu sein.


Wenn man für einen kurzen Moment reinspürt in diese unfassbare Verantwortung, dann erdrückt sie einen schier – eine Last, die umso größer misst und schwerer wiegt, je schmaler die Schultern sind, die sie tragen müssen.


Zum Wohle unserer Kinder tun wir gut daran, die Grenze zwischen 'Kinder als Motivation für Veränderung' und 'Kinder als Kitt' zu erkennen und klar zu ziehen.


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»Hauptsache, den Kindern geht's gut« ist oft gelogen


Ist die Entscheidung zur Trennung oder Scheidung von einem oder beiden Partnern gefallen, heißt es fast immer großmütig: »Hauptsache, die Kinder leiden so wenig wie möglich.«


Welch hehres Ziel!


Doch wie oft beginnen stattdessen offen oder verdeckt ausgetragene Spielchen!?


Da werden über die Köpfe hinweg Entscheidungen getroffen, vollendete Tatsachen geschaffen, manipuliert, Zäune hochgezogen, Fallen aufgestellt … All das gerne schön geredet unter dem Deckmäntelchen 'zum Wohle der Kinder'.


In Wirklichkeit entwickelt sich eine Dynamik, in der mit teilweise subtilsten Mitteln so lange an den Kindern gezerrt wird, bis diese an ihren inneren Loyalitätskonflikten fast zerbrechen.


Was dieses Szenario besonders traurig macht:


Viele Scheidungskinder setzen alles daran, sich ihre Zerrissenheit nicht anmerken lassen.


Je älter die Kinder sind, wenn sie erleben, wie frustriert und ausgelaugt ihre Eltern von den Beziehungs- bzw. Trennungsstrapazen sind, desto eher leiden sie lieber still vor sich hin als sie auch noch mit ihren eigenen Ängsten und Unsicherheiten zu belasten.

Warum Du Frieden mit Deiner Vergangenheit machen solltest


Wenn die zwei wichtigsten Bezugspersonen eines Kindes oder Jugendlichen auseinandergehen, tut das schon genug weh – unabhängig davon, wer von den Eltern welchen Anteil am Scheitern der Verbindung hatte.


Umso mehr sollten wir als Erwachsene alles daransetzen, die Trennung für uns selbst so gut wie möglich zu verarbeiten, der Ex-Partnerin / dem Ex-Partner vergeben (auch wenn Du jetzt innerlich denkst: »Niiieeemals – diesem Mistkerl / Miststück!«) und nicht zuletzt auch uns selbst verzeihen.


Nur wenn Du mit Deiner Vergangenheit Frieden schließt, kannst Du irgendwann wieder glücklich werden, zuversichtlich in die Zukunft blicken und Deinen Kindern verlässliche(r) Vater oder Mutter sein.

Nicht Du, sondern die Bedürfnisse Deiner Kinder sind am wichtigsten


Während und nach einer Trennung geht es also darum, gut für sich zu sorgen und ins Reine zu kommen – mit sich, der oder dem Ex und der Vergangenheit.


Nur eins ist in dieser Zeit noch wichtiger: die Bedürfnisse der Kinder. Und die brauchen nun mal beide Elternteile, um sich ganzheitlich gesund zu entwickeln (von wenigen Ausnahmen abgesehen, in denen die physische oder psychische Gesundheit des Kindes durch das Verhalten eines Elternteils gefährdet ist).


Wenn es Dir ernst ist mit dem Wunsch, Deine Kinder mögen die Trennung so unversehrt wie möglich überwinden, und wenn sie Dir wirklich am Herzen liegen, dann lass die folgenden 3 Dinge sein auch wenn es Dir noch so schwer fällt:

Lass das sein Nr. 1: Du boykottierst den Kontakt zum anderen Elternteil


Disneyland-Daddy – kennst Du diesen Begriff?


Gerade wenn das Sorgerecht klassisch (manche sagen auch konservativ oder antiquiert) aufgeteilt wird, bleibt den Müttern oft der Alltag zwischen Hausaufgaben, Pausenbroten und Taxi-Diensten, während die Väter am Wochenende oder in den Urlauben das Vergnügen mit den Kindern haben.


»Das ist nicht fair«, höre ich dann oft von den Müttern.


Das stimmt … und irgendwie auch nicht. Denn vielleicht sehnt sich der Vater genau nach diesem Alltag und vermisst die abendlichen Gespräche oder Geschwister-Zickereien am Abendbrottisch, während sich der andere Teil – in diesem Fall die Mutter – womöglich allein gelassen und überfordert fühlt.


Manchmal lässt sich der Kontakt mit den Kindern eben nicht zu 100% gerecht aufteilen – sei es aus beruflichen oder wohnortsbedingten Gründen oder einfach, weil es so entschieden wurde.


Ich möchte nicht leugnen, dass es Väter oder Mütter gibt, die sich aus der alltäglichen Verantwortung stehlen. Für die Kinder allerdings zählt nur eins: dass sie beide Elternteile sehen und Zeit mit ihnen verbringen dürfen.


Es darf Dich nerven, dass der andere die tollsten Ausflüge oder aufregende Reisen unternimmt und am letzten Wochenende wieder nur Pizza und Cola serviert hat.


Doch der Versuch, diesen Ärger loszuwerden, indem der Kontakt zwischen Kind und Ex mehr als nötig reglementiert, erschwert oder gar unterbunden wird, bedeutet für die Kinder eine schlimme Zerreißprobe. Je älter sie sind, desto mehr sollte man ihnen die Wahl lassen, wann sie bei wem sind und wie sie die Zeit mit Mama oder Papa verbringen.


Deine Kinder sollten sich überall willkommen fühlen dürfen und nicht denken müssen, dass sie sich gegen Dich entscheiden, nur weil sie auch gerne mit dem anderen Elternteil zusammen sind.


Lass das sein Nr. 2: Dein Kind soll Dich mehr lieb haben als den anderen Elternteil


Unabhängig davon, wer sich von wem getrennt hat: Du bist wahrscheinlich verletzt und enttäuscht, dass es so gekommen ist. Vielleicht denkst Du, wenn Dein(e) Ex anders wäre oder gehandelt hätte, wär das alles nicht passiert. Und das soll das Umfeld doch bitte genauso sehen – im besten Fall auch der Nachwuchs.


Wenn Du die Kinder gegen die Ex-Partnerin / den Ex-Partner aufhetzt, fühlt es sich (kurzfristig) so an, als säßest Du am längeren Hebel und nicht allein im Boot, und einen eindeutigen Schuldigen gibt es dann endlich auch.


Das Aufstacheln stärkt Dich und schwächt die oder den anderen – allerdings nur oberflächlich und vermeintlich.


So zu denken ist menschlich, aber mal ganz ehrlich und unter uns:

  1. Fühlt sich die Vorstellung wirklich gut an, dass Deine Kinder dieselbe Wut und Enttäuschung mit sich herumtragen wie Du? Du möchtest doch, dass es ihnen gut geht ... Also: kotz Dich bei Freunden über die oder den Ex aus, nimm Coaching- oder Therapiesitzungen in Anspruch o.ä. ... Aber lass Deine Kinder raus aus Deinem negativen Gedankenstrudel.

  2. Der Versuch, Dich besser zu fühlen, indem Du den anderen schlecht machst, schwächt nicht in erster Linie Deine Ex-Partnerin oder Deinen Ex-Partner, sondern Eure Kinder und ist übrigens langfristig eh zum Scheitern verurteilt. Die wollen nämlich beide Elternteile lieben dürfen. Wenn ihnen diese Möglichkeit genommen wird, indem offen oder unterschwellig von Mutter oder Vater verlangt wird, sie müssten ihr oder ihm näher stehen als der oder dem anderen, geraten sie in einen quälenden Loyalitätskonflikt.


Lass das sein Nr. 3: Dein Kind soll die oder den Neue(n) Deiner Ex-Partnerin oder Ex-Partners hassen oder zumindest richtig doof finden


Wenn die ehemalige Partner oder der ehemalige Partner eine neue Beziehung eingeht, kann das noch mal ein ziemlicher Schlag ins Gesicht und in die Magengrube sein.


Diese schmerzliche Erfahrung habe ich selbst nach meinem Beziehungsende gemacht. Meine Kinder standen mir in dieser Zeit sehr loyal zur Seite – unter anderem, indem sie kräftig über 'die Neue' gewettert haben.


Ich muss gestehen: anfangs hat mir das irgendwie gut getan. Doch ich habe schnell gespürt, wie anstrengend diese Lästereien für sie waren. Außerdem hat es in mir letztlich die Akzeptanz der neuen Situation verzögert.


Eines Tages saß ich mit meiner damals 15-jährigen Tochter im Auto und sie erzählte ausnahmsweise, dass es diesmal »ganz o.k.« bei Papa und seiner Freundin gewesen wäre. Daraufhin sagte ich ihr (und ich behaupte nicht, dass mir das leicht gefallen sei): »Du darfst sie nett finden, das ist in Ordnung für mich. Im Gegenteil: mir geht’s besser, wenn ich weiß, dass Ihr Euch bei Papa wohl fühlt und sie gehört jetzt eben dazu.« Ich glaube, das war einer der wichtigsten Sätze, die ich meiner Tochter jemals gesagt habe, und ihre Erleichterung war deutlich spürbar.


Ja, es ist schmerzhaft, wenn neue Partner ins Spiel kommen. Mit den veränderten Umständen und den damit verbundenen Unsicherheiten und Ängsten haben Kinder schon genug zu kämpfen.


Wir sollten versuchen, ihnen dabei so gut es geht zur Seite zu stehen, statt ihnen aus unserer eigenen Verletztheit heraus auch noch unausgesprochen oder laut den Auftrag zu erteilen, den oder die Neue(n) hassen zu müssen.


Liest Du diesen Artikel, obwohl Du noch in einer Beziehung bist, bist Dir aber unsicher, ob sie eine Zukunft hat? Finde es jetzt im kostenlosen Test 'Trennung ja oder nein?' heraus 💔🙁: Zum Gratis-Test 'Trennung ja oder nein?'


Entlasse Dein Kind aus der Pflicht, sich entscheiden zu müssen


Lass Dein Kind los.


Vielleicht entrüstet Dich diese Idee (gerade wenn Du jüngere Kinder hast): »Das eigene Kind loslassen? Wie kannst Du nur, Sandra!?«


Ja, ich weiß … Aber es ist das größte Geschenk, das Du Deinem Kind machen kannst:


Entlasse Deine Kinder aus der Pflicht, sich für einen Elternteil entscheiden zu müssen.


Loslassen hat dabei nichts mit Fallenlassen oder Nicht-kümmern zu tun.


Wenn es Dich braucht, dann bist Du da, klar.


Und wenn es den Wunsch hat, seine Mutter oder seinen Vater zu sehen und Zeit mit ihr oder ihm zu verbringen, dann lässt Du es gehen – in der Gewissheit und dem Vertrauen, dass das Euer Band stärkt, nicht schwächt. Viel schwieriger gestaltet sich dieses Loslassen natürlich, wenn Dein(e) Ex die- oder derjenige ist, die / der versucht, einen Keil zwischen Deine Kinder und Dich zu treiben, z.B. indem sie / er sie gegen Dich aufhetzt. Was machst Du dann?


Gerade bei älteren Kinder könntest Du ihnen – statt am anderen Arm zu reißen – signalisieren, dass Du verstehst, in welch schwieriger Lage sie sind, dass Du da bist, wenn sie das möchten, und dass Du sie liebst, egal wie sie im Moment zu Dir stehen.


Ich weiß, dass diese Vorstellung große Ängste in einem wecken kann: Soll man denn nach der Partnerin / dem Partner nun auch noch die Kinder verlieren? Doch viel eher wird es so sein, dass sie irgendwann von sich aus wieder mehr Nähe suchen und dankbar sind für die Entlastung, die sie erfahren haben, indem nicht von zwei Seiten an ihnen gezerrt wurde.

Egal, wie groß die Enttäuschung oder Wut auf Deine Ex-Partnerin / Deinen Ex-Partner ist: in der Zeit während und nach einer Trennung brauchen Dich Deine Kinder. Es ist Deine Pflicht, alles daran zu setzen, dass sie diese schwierige Phase so heil wie möglich überstehen, indem Du ihre Bedürfnisse erkennst, verstehst und ernst nimmst.


Wenn Du merkst, dass Dir das trotz aller Bemühungen nicht gelingt, weil die eigenen Verletzungen zu groß sind, dann brauchst Du Dich nicht schuldig fühlen – wir sind schließlich keine Maschinen. Übernimm stattdessen die Verantwortung, indem Du Dir Hilfe suchst. So zeigst Du Größe und wie wichtig Dir Deine Kinder sind.


Alles andere – tut mir leid – sind reine Ego-Nummern, die niemandem nützen. Vielleicht und allerhöchstens sind es kleine Pflaster, die Deine Wunden abdecken, aber darunter blutet und eitert es weiter. Für den Moment fühlt es sich also womöglich nach Genugtuung an, aber Heilung wird es Dir nicht bringen. Im Gegenteil. Denn:


Wie könnte sich etwas gut anfühlen, das Deinen Kindern schadet?

Ich wünsche Dir und Deinen Kindern alles Gute und sende herzliche Grüße aus dem Blauen Sessel




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(c) Blauer Campus - Sandra Hinte Coaching in Sinzheim bei Baden-Baden und Bühl

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