• Sandra Hinte

Kommunikation verbessern: Die 10 größten Fehler, an denen Gespräche in Deiner Beziehung scheitern

Aktualisiert: März 3


So verbesserst Du die Kommunikation in Deiner Beziehung


Kommunikation ist nicht alles in der Beziehung.


Aber vieles.


Sehr vieles.


Kein Wunder also, dass die Frage »Wie gelingt sie?« immer wieder diskutiert und besprochen wird: in Beziehungstipps, in Büchern zu Beziehungsproblemen, in Vorträgen, Podcasts und Blogs zum Thema 'Liebe'.


Auch in meinen Paarberatungen taucht 'Verbesserung unserer Kommunikation' in nahezu jeder Zielformulierung auf.


Hast Du auch schon vieles versucht, um die Kommunikation in Deiner Beziehung zu verbessern, aber nichts scheint wirklich zu funktionieren und Du fühlst Dich immer wieder unverstanden? 🤐 Mit der kostenlosen 7-Punkte-Checkliste kommt Deine Botschaft ab jetzt richtig an 💑: »Zur Gratis-Checkliste 'So versteht mich mein Partner richtig'


Doch obwohl so viel über das wichtigste Instrument menschlicher Beziehung zu lesen und zu hören ist, geht hier so oft was daneben, und Gespräche enden ohne Lösung, dafür in Streitereien, Verletzungen und Machtkämpfen.


Verständnis? Respekt? Harmonie? Kompromisse? Fehlanzeige.


Warum ist das so?


Der wichtigste Grund ist:


Wir legen zwar viel Wert darauf, dass wir miteinander reden, aber zu wenig darauf, wie wir das tun.


Zudem vergessen wir gerne, dass Kommunikation auf mehreren Ebenen stattfindet, nicht nur auf der des gesprochenen Wortes und des reinen Sachinhalts:


Neben Zahlen, Daten und Fakten transportiert jede Botschaft, die Du als Sender – sei es bewusst oder unbewusst, verbal oder non-verbal – an Deine Partnerin / Deinen Partner richtest, noch weitere Informationen:


Deine Emotionen und Motive schwingen mit.


Informationen darüber, was Du von Deiner Partnerin / Deinem Partner hältst und wie Ihr zueinander steht.


Appelle, was Du von ihr oder ihm erwartest bzw. was Du erreichen möchtest.


Immer – wirklich immer! – sind 4 unterschiedliche Ebenen Bestandteil Deiner Kommunikation. Friedemann Schulz von Thun, von dem dieses populäre Kommunikationsmodell stammt, fasst sie so zusammen:

  1. Sachebene

  2. Selbstoffenbarungsebene

  3. Beziehungsebene und

  4. Appellebene



Wenn Du diese verschiedenen Ohren im Hinterkopf behältst und beachtest, dass Kommunikation nicht erst mit Deinen Worten und Sätzen beginnt und ebenso wenig mit ihnen endet, sondern sich beispielsweise auch in Blicken, Gesten und Mimik ausdrückt, wirst Du die folgenden Fehler leichter vermeiden können.


Es ist meine persönlichen Top 10 (oder spricht man bei Fehlern eher von einer Flop 10?) von Stolperfallen, die mir privat wie beruflich am häufigsten begegnen.


Und natürlich gebe ich Dir auch jeweils einen Tipp mit an die Hand, wie Du die Fehler verhinderst.


Übrigens: ich selbst tappe am liebsten in die Nr. 9 ... Verdammt ;-)

Und Du?


Fehler Nr. 1:

Du denkst, man müsse darüber reden


Das allein ist natürlich noch kein Problem. Es kann aber zu einem werden, wenn Deine Partnerin / Dein Partner das anders sieht und sich zu einem bestimmten Thema zum jetzigen Zeitpunkt oder generell nicht austauschen möchte.


Vielleicht ist ihm die Angelegenheit nicht so wichtig oder er befürchtet, dass es nur (wieder) zum Streit in der Beziehung kommt.

Tipp:


Jeder Mensch hat unterschiedliche Strategien und Bedürfnisse, wann und wie man mit einer bestimmten Problematik oder einem Konflikt umgeht. Nicht immer wird der Zeitpunkt für beide passen, und manches Thema möchte einer von beiden womöglich gar nicht besprechen.


Mach Dir in solchen Momenten klar: Wenn sich Deine Partnerin / Dein Partner nicht oder nicht jetzt mit einem Thema auseinandersetzen möchte, heißt das noch lange nicht, dass Du und Eure Beziehung ihr oder ihm nicht wichtig seid.


Versuche stattdessen, Deinem Partner Deinen Gesprächswunsch mitzuteilen und frage sie oder ihn, wann ihr darüber sprechen könnt. Vielleicht schaffst Du es bis dahin, die Sache zur Seite zu legen.


Allerdings: Lässt sich Deine Partnerin / Dein Partner dauerhaft so gut wie nie auf Konflikt- oder Beziehungsgespräche ein, belastet das die Beziehung schwer, und Du darfst Dir überlegen, wie glücklich Dich diese Verbindung macht.



Fehler Nr. 2:

Du weißt nicht, um was es wirklich geht


Erinnere Dich an das 4-Ohren-Modell von oben: Kann es sein, dass es eigentlich um etwas ganz anderes geht als um das, was Ihr besprecht?


Tobias z.B. macht vor Mias Eltern einen Scherz über ihr T-Shirt mit der Micky Maus drauf. Mia reagiert gekränkt und beleidigt und wirft ihm auf der Heimfahrt vor, wie unsensibel er sei.


Vordergründig ist Mia sauer auf Tobias, weil der einen schlechten Scherz auf ihre Kosten gemacht hat.


In Wirklichkeit hat die Situation aber einen uralten Trigger von Mia gedrückt: Ihre jüngere Schwester Nicole galt früher immer als die süße, hübsche Prinzessin in der Familie, Mia war eher die graue Maus. Das hat an ihrem Selbstwertgefühl gekratzt, und Tobias Spruch hat Salz in diese alte Wunde gestreut. Für Mia geht es also um mehr als ein T-Shirt und einen flapsigen Scherz. Aber woher soll Tobias das wissen?


Das Problem besteht also darin, dass Euch als Paar oft nicht bewusst ist, um was es eigentlich geht. Dadurch redet Ihr – ohne es zu merken – am eigentlichen Thema vorbei, reibt Euch an einer Sache auf und kommt nicht voran.


Tipp:


Du, ich, wir alle haben so genannte Trigger, also Schmerz- oder Wutpunkte. Wenn sie gedrückt werden, wird's schnell sehr emotional und oft auch unfair.


Versuche zum Einen, Dich selbst offen und ehrlich zu fragen: »Um was genau geht es hier eigentlich?«


Was ist der Kern des Problems oder gar der Kern des Kerns? Was sind die tiefer liegenden Wünsche und Bedürfnisse, die dabei gesehen oder erfüllt werden wollen?


Diese empathische Brille darfst Du natürlich auch mit Blick auf Deine Partnerin / Deinen Partner aufsetzen: Wo und warum könnte er sich in die Ecke gedrängt, enttäuscht, gekränkt oder frustriert fühlen? Tauscht Euch lieber über diese Themen aus – statt über Micky-Maus-Shirts.



Fehler Nr. 3:

Du hörst nicht richtig zu


Nur weil Du Deinem Partner nicht ins Wort fällst oder nicht demonstrativ aus dem Fenster schaust während er spricht, heißt das noch lange nicht, dass Du ihm wirklich zuhörst.


Zuhören bedeutet, sich dem Gegenüber ganz zuzuwenden.


Du schenkst ihr / ihm Deine ungeteilte Aufmerksamkeit und das ernsthafte Bemühen, zu verstehen, um was es ihr / ihm geht und welche Wünsche und Bedürfnisse sie / er Dir mitteilen möchte.

Tipp:


Höre Deiner Partnerin / Deinem Partner aktiv zu, indem Du das, was er dir erzählt oder mitgeteilt hat, noch einmal in Deinen eigenen Worten wiedergibst: »Habe ich das richtig verstanden, dass Du ...«


Das signalisiert ihr / ihm Dein ehrliches Interesse an dem Gespräch sowie an ihr / ihm selbst, und potenzielle Missverständnisse werden frühzeitig und schnell ausgeräumt.


Fehler Nr. 4:

Du interpretierst statt nachzufragen


Wenn Dir Informationen fehlen, hat Dein Gehirn eine geschickte – manchmal aber auch hinderliche – Angewohnheit: es füllt die Lücken selbstständig auf, und zwar mit Daten, die sich aus anderen Lebensbereichen oder früheren Erfahrungen speisen.


Ist doch toll! Was ist das Problem?


Diese Lückenfüller haben oft gar nichts mit der Realität zu tun, sondern sind ausgedachte Konstrukte.


Tobias z.B. kommt später als verabredet nach Hause. Mia geht davon aus, dass er das Treffen vergessen hat und empfängt ihn um halb neun entsprechend sauer.


Da Mia die Information fehlt, warum Tobias zu spät ist, interpretiert sie, dass ihm der gemeinsame Abend nicht wichtig ist. Und weil sie so denkt, reagiert sie wütend und enttäuscht.


In Wirklichkeit steht Tobias aber mit leerem Handy-Akku im Stau.

Tipp:


Von der amerikanischen Sozialforscherin Dr. Brené Brown stammt folgende kleine Formulierung, die wir in solchen Fällen in unsere Kommunikation mit einbauen können: »Die Geschichte, die ich dazu erfinde, ist …«


Das könnte sich bei Mia beispielsweise so anhören: »Du kommst zu spät zu unserer Verabredung. Die Geschichte, die ich dazu erfinde, ist, dass Dir unsere Verabredung nicht wichtig sind.«


Das hört sich aber nicht gerade lockerflockig an, Sandra!


Ja, ich weiß. Aber was soll's – es hilft, Streit in der Beziehung zu vermeiden:


Dieser Satzschnipsel (den Du natürlich so umformulieren kannst, dass er zu Dir passt) zeigt Deiner Partnerin / Deinem Partner, dass Du Dir Deiner subjektiven Sicht bewusst bist. Dadurch braucht sie / er weniger in die Verteidigungsposition zu gehen, und ein konstruktiver Gesprächsverlauf wird wahrscheinlicher.



Fehler Nr. 5:

Du sendest abwertende Signale


Je mehr Dich eine Gesprächssituation emotional aufwühlt, umso mehr bedienst Du Dich zusätzlich Deiner Mimik und Gestik.


Gerade wenn Dir die passenden Worte fehlen oder Du Dich in die Ecke gedrängt und ausgeliefert fühlst, rutschen Dir schnell mal abfällige Gesten oder Blicke raus (Du rollst beispielsweise mit den Augen).


Das Gemeine daran ist, dass Du Dir dieser Signale in der Situation selbst oft gar nicht bewusst bist, dementsprechend kannst Du sie auch nur schwer kontrollieren.

Tipp:


Verlasse die Gesprächssituation, wenn Du merkst, dass sie außer Kontrolle gerät.


Schlage Deiner Partnerin / Deinem Partner vor, dass erstmal jeder für sich zur Ruhe kommt, bevor Ihr Euch weiter austauscht.


Um dem Ganzen mit Humor zu begegnen, könnt Ihr eine Augenroll-Straf-Kasse oder etwas in der Art einrichten ... und von dem Geld schick essen gehen.


​​Fehler Nr. 6:

Du benutzt Pfui-Wörter


Pfui-Wörter sind pfui, weil sie subtil wirken und versteckte Vorwürfe enthalten.


Klassiker sind: typisch, immer, mal wieder, nie


»Nie kümmerst Du Dich um den Babysitter!«, »Immer muss ich gerade biegen, was Du verbockt hast!«, »Das ist mal wieder so typisch von Dir!«


Diese Satzteile verallgemeinern und werten die Persönlichkeit des Gegenübers ab statt beim konkreten Sachverhalt zu bleiben.


Mit ziemlicher Sicherheit wird sich Deine Partnerin / Dein Partner in der Folge zurückziehen, rechtfertigen oder zum Gegenangriff übergehen.

Tipp:


Vermeide Pfui-Wörter, indem Du bei der aktuellen Situation und beim konkreten Verhalten Deiner Partnerin / Deines Partners bleibst:


»Ich bin enttäuscht, dass Du gestern den Babysitter nicht angerufen hast« hört sich anders an als »Typisch! Nie kümmerst Du Dich um was! Immer muss ich den Babysitter anrufen!«


Fehler Nr. 7:

Du bist mehr mit Deinem Partner beschäftigt als mit Dir


Wenn Du eine ganze Batterie an Vorwürfen und Schuldzuweisungen verballerst, wird sich Deine Partnerin / Dein Partner entsprechend schützen: Sie / er wird flüchten oder zurückfeuern.


Eine konstruktive, respektvolle Kommunikation hat unter diesen Voraussetzungen keine Chance.

Tipp:


Bleib bei Dir und bringe zum Ausdruck, welche Gefühle die Situation oder das Verhalten Deiner Partnerin / Deines Partners bei Dir hervorruft und was Du Dir wünschst, was Deine Bedürfnisse sind.


Echte Ich-Botschaften führen zu gegenseitigem Verständnis – Du! Du! Du! zum Krieg.


Übrigens: »Ich find's echt nicht o.k., dass Du Dich immer aufführst wie ein Elefant im Porzellanladen« ist keine echte Ich-Botschaft, auch wenn der Satz mit 'Ich' beginnt ... ;-)



Fehler Nr. 8:

Du bist mehr mit Dir beschäftigt als mit Deinem Partner


»Das größte Problem in der Kommunikation ist, dass wir nicht zuhören, um zu verstehen, sondern um selbst zu antworten.« Dieses Zitat von Stephen R. Covey beschreibt es punktgenau. Denn Hand auf's Herz:


Wie oft bist Du schon beim ersten Satz Deiner Partnerin / Deines Partners mehr damit beschäftigt, Deine Antwort gedanklich vorzuformulieren, als damit, um was es der oder dem anderen geht und welche Bedürfnisse sie / er damit zum Ausdruck bringt?

Tipp:


Versuche, Dich ernsthaft auf das zu konzentrieren und fokussieren, was Deine Partnerin / Dein Partner Dir zu sagen hat – erst danach bist Du dran.


Durch aktives Zuhören (s. Tipp Nr. 3) wird Dir das noch besser gelingen. ​



Fehler Nr. 9:

Du nimmst die Dinge zu persönlich


Nehmen wir mal an, Deine Partnerin kommt nach Hause und sagt, der Rasen sei ja schon wieder so hoch gewachsen und die Rosen ließen auch die Köpfe hängen.


Wenn Du daraufhin gleich nervös den Rasenmäher aus dem Schuppen schiebst und rechtfertigend erklärst, dass Du die Pflanzen doch erst gestern gegossen hast ... dann gehörst Du wahrscheinlich zu der Sorte Mensch, welche die Dinge gleich persönlich und sich schnell kritisiert fühlt.


Um bei den 4 Kommunikationsebenen von oben zu bleiben: Du hörst also neben der reinen Sach-Information, dass der Rasen gewachsen ist und die Rosen die Köpfe hängen lassen, auch – negative – Botschaften auf der Beziehungs- und der Appellebene heraus:


»Meine Partnerin findet, dass ich den Garten vernachlässige« und »sie erwartet, dass ich den Garten mähe und die Blumen gieße«.


Ob diese Einordnung überhaupt wirklich der Intention Deiner Partnerin entspricht, stellst Du dabei nicht in Frage.

Tipp:


Hinterfrage Deine Einschätzung, dass das Verhalten Deines Gegenübers etwas oder wirklich so viel mit Dir zu tun hat – könnte es auch anders sein?


Wenn Dein Partner beispielsweise sagt: »Ich brauche endlich mal wieder etwas mehr Ruhe«, heißt das weder, dass Du für seinen Mangel an Ruhe verantwortlich gemacht wirst, noch, dass Du für seine Ruhe sorgen musst.


Das bedeutet im Umkehrschluss natürlich nicht, dass es Dir egal sein soll, wann und wie sich Dein Partner wie viel Ruhe gönnt; nur brauchst Du Dir nicht jeden Schuh anziehen, der Dir vor die Füße fällt.



Fehler Nr. 10:

Dir geht's ums Recht haben statt um eine Lösung


Denkst Du, dass Deine Wahrheit wahr ist?


Vielleicht ist das so.


Vielleicht genauso wahr wie die Wahrheit Deines Partners.


Wir alle haben unsere subjektiven Wahrheiten, jeder liegt für sich gesehen richtig – aus seiner Perspektive.


Marshall Rosenberg, Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, fragt: »Willst Du recht haben oder glücklich sein?«


Wenn Du denkst: »Meine Wahrheit ist die einzig wahre« und Dein vorrangiges Ziel darin besteht, die oder den anderen davon zu überzeugen, steigst Du auf ein Ping-Pong-Spiel ein, aus dem am Ende niemand als Sieger hervorgeht.


Wohlwollende und verbindende Kommunikation besteht darin, sich über die jeweiligen Blickwinkel auszutauschen – ohne den Anspruch, das Gegenüber müsse die eigene Sichtweise übernehmen.


Alles andere bedeutet meistens Energieverschwendung.


Tipp:


Tausche Dich mit Deiner Partnerin / Deinem Partner darüber aus, wie jeder für sich das jeweilige Thema wahrnimmt und einordnet, aber rührt nicht mehr als nötig in der Vergangenheit rum, denn:


Die Lösung liegt in der Zukunft!


Was kann jeder von Euch in Zukunft anders oder besser machen?


Wie könnte ein Kompromiss aussehen?


Was wünscht sich jeder von Euch für's nächste Mal?


Das sind Fragen, die Euch weiterbringen. Der Streit um die eine und einzige Wahrheit dagegen ist meist aussichtslos.

Ich wünsche Euch gute Gespräche und sende herzliche Grüße aus dem Blauen Sessel



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