• Sandra Hinte

Trennung!? 9 Tipps, wenn dich die Angst vor einer falschen Entscheidung lähmt


Trennung!? 9 Tipps, wenn dich die Angst vor einer falschen Entscheidung lähmt

Pest oder Cholera?


»Wie verlockend!«, denkt sich Tamara zynisch.


2.48 Uhr zeigt der Wecker, als sie sich zum gefühlt 83. Mal in dieser Nacht schlaflos von einer Seite auf die nächste wälzt.


Wie so oft in den letzten Monaten kreist ihr Kopf unaufhörlich um das immer gleiche Thema: ihre Ehe.


Na ja, eigentlich ist es eher das Ende ihrer Ehe, über das sie nachdenkt.


Denn nach unzähligen Verletzungen, Vertrauensbrüchen und Enttäuschungen kann sie sich beim besten Willen nicht vorstellen, jemals wieder glücklich mit Frank zu werden.


So vieles hat sie schon versucht:


Stundenlange Gespräche.


Pro- und Contralisten.


Zwei Paar-Therapien.


Nichts hat auf Dauer geholfen.


Als Frank letzte Woche auf Geschäftsreise war, genoss Tamara ihre Freiheit und Ruhe.


»Das könnte ich doch immer haben!?«


Sie schmiedet Pläne: eine eigene kleine Wohnung. Vielleicht sogar in einer anderen Stadt? Endlich tun und lassen, was sie will!

Aber sobald sie sich sicher ist, dass eine Trennung das Beste wäre, tauchen diese bohrenden Fragen auf:


Was, wenn sich Familie und Freunde von ihr abwenden?


Wenn ihr die Kinder Vorwürfe machen oder – noch schlimmer – still vor sich hin leiden?


Wenn sie Monate später merkt, dass Frank doch nicht so ein übler Kerl ist?


Wenn sie für immer allein bleibt?


Wenn sie das Ganze finanziell nicht gestemmt bekommt?


Was, wenn Tamara den Schritt irgendwann bereut?

Und plötzlich – der Wecker steht auf 3.46 Uhr – erscheint ihr dieser Weg so steinig und dornig, dass sie beschließt, doch lieber da zu bleiben, wo sie ist.


Frustriert döst sie ein ...


Pest oder Cholera – so läuft das seit Monaten.


Trennung und die Angst vor falscher Entscheidung können Schlaf und Nerven kosten

Wenn es dir gerade wie Tamara geht, dann kennst du dieses Gefühl der Ohnmacht, des Nicht-vor-und-nicht-zurück-Kommens, der Zerrissenheit und der Verzweiflung und die Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen.


Was das letzte Durchringen zu einer Trennung so herausfordernd macht, ist die drohende Endgültigkeit: eine verlässliche Rückgängig-Taste gibt es nicht.

Der Gedanke, dass es kein Zurück gibt, mahnt mit erhobenem Zeigefinger: »Was, wenn du später merkst, dass es ein Fehler war? Dass du doch hättest bleiben sollen!?«


Gleichzeitig gibt es da diese andere innere Stimme, die dir zuflüstert: »Wie viel Zeit willst du noch mit einer kaputten Beziehung verplempern!?«


Fragt sich also:


Trennung!? Wie überwindest du die Angst vor einer falschen Entscheidung?


Dazu gebe ich dir im Folgenden 9 Tipps an die Hand, wie du das ewige Kopfkarussell stoppst und mehr Sicherheit gewinnst:


1. Tipp gegen die Angst vor einer falschen Entscheidung: Frage dich, ob es wirklich nur die zwei Optionen gibt!


Wenn du schon lange an der Frage 'Trennung ja oder nein?' herumkaust, ohne zu einem Ergebnis zu kommen und entsprechend zu handeln, dann könnte es an der Zeit für einen Blick über den Tellerrand bzw. die Suche nach Alternativen sein, die bisher nicht in deinem Orbit auftauchen.


Vielleicht wendest du jetzt ein: »Aber es gibt doch nun mal nur diese zwei Optionen, Sandra: entweder ich gehe, oder ich bleibe!«


 
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Das stimmt.


Und auch wieder nicht.


Denn denk doch mal an all die Geschichten, die in Romanen, Theaterstücken oder Filmen erzählt werden; wie viele Wendungen diese oft nehmen.


Apropos: Dazu gibt's eine passende Coaching-Technik:


Stell dir einen Drehbuchautor vor, und die / der Held/in seiner neuesten Story bist du.


Mit der Methode 'Drehbuch-Autor' die Angst vor einer falschen Entscheidung überwinden

Gerade beschreibt der Autor die aktuelle Lebenssituation seiner Hauptfigur, die 1:1 deiner eigenen entspricht, und überlegt, wie es nun weitergehen könnte.


Der Autor lässt seiner Fantasie freien Lauf, und es kommen ihm mindestens drei Varianten dazu in den Sinn.


Vielleicht sucht sich sein/e Held/in eine eigene Wohnung, um erst mal räumlichen Abstand zu gewinnen.


Oder das Paar wandert aus, um sich gemeinsam neu auszurichten, oder – eine Nummer kleiner – macht eine (neue) Paartherapie.


Womöglich lässt sich die / der Held/in Tarotkarten legen (kannst du dich an Whoopi Goldberg in 'Nachricht von Sam' erinnern? :-). Oder sie / er schlägt ihrem / seinem Partner/in eine offene Beziehung vor, wechselt (erst mal) den Job, der sie / ihn schon seit Jahren überlastet und zusätzlich dünnhäutig macht, oder, oder, oder.


Lass deiner Kreativität freien Lauf, und bewerte die unterschiedlichen Szenen vorerst nicht – Rumspinnen erlaubt! Es geht vor allem um die Erkenntnis, dass es auch in deiner Situation garantiert mehr als die zwei Optionen 'Gehen oder Bleiben' gibt.


So wie kein Drehbuchautor schon beim ersten Wort, das er zu Papier bringt, wissen muss, wie die Geschichte ausgeht, so bist auch du nicht gezwungen, exakt hier und heute eine endgültige Entscheidung zu fällen.

Es reicht völlig aus, das nächste Kapitel, den nächsten Absatz oder auch nur den nächsten Satz zu formulieren, was uns direkt zum nächsten Tipp bringt.


2. Tipp gegen die Angst vor einer falschen Entscheidung: Nutze die Salamitechnik!


Oft stecken wir in einer Entscheidungsfindung fest, weil wir nur die (vermeintlichen) Endergebnisse der zur Wahl stehenden Optionen sehen; und die können uns wie riesige, schwarze Berge vorkommen, die sich vor uns auftürmen:


In der Beziehung bleiben?


So viele Themen, Konflikte, die geklärt werden müssten, damit man sich wieder wohlfühlen könnte ... Wie soll man da jemals hinkommen!?

Und eine Trennung?


So viel Veränderung, Tränen, vielleicht sogar ein Rosenkrieg ... Hält man das aus?

Diese Masse an Aufgaben und Herausforderungen, die im Falle eines klaren Entschlusses auf dich zukommen würden, scheint unüberwindbar zu sein. Du denkst: »Das schaffe ich nie!«

Dieser Schockstarre entkommst du am schnellsten, indem du deinen Fokus verkleinerst: nimm statt den ganzen Berg nur den ersten Steinbrocken in Augenschein!


Vertraue auf die Macht der kleinen Schritte, so wie es Straßenkehrer Beppo aus Michael Endes 'Momo' tut:


'Wenn Beppo so die Straßen kehrte, tat er es langsam, aber stetig: Bei jedem Schritt einen Atemzug und bei jedem Atemzug einen Besenstrich. Dazwischen blieb er manchmal ein Weilchen stehen und blickte nachdenklich vor sich hin. Und dann ging es wieder weiter: Schritt – Atemzug – Besenstrich. [...] »Man darf nie an die ganze Straße auf einmal denken, Momo, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und immer wieder nur an den nächsten.«'


Überlege dir, welche eine Sache (Salamischeibe) du kurzfristig verändern oder angehen könntest, mit der du dich ein erstes Stückchen aus deiner Lähmung der Nicht-Entscheidung befreist?


Gibt es z.B. jemanden, den du um Rat fragen könntest?


Wäre die Arbeit mit einem Coach oder Therapeuten sinnvoll?


Kannst du ein dir wichtiges Thema noch mal auf andere Art und Weise bei deiner/m Partner/in ansprechen?


Darfst du dir erst einmal klarer darüber werden, was du eigentlich willst?


Brauchst du eine Auszeit, um zur Ruhe zu kommen und dich zu ordnen?


Frag dich also: »Was könnte mein nächster Besenstrich sein?«


 
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3. Tipp gegen die Angst vor einer falschen Entscheidung: Denke und bleibe realistisch!


Bei den meisten Menschen, die Sorge haben, ihre Entscheidung zwischen 'Trennung ja oder nein?' irgendwann zu bereuen, befeuert eher die Option 'Gehen' diese Angst.


Dafür gibt es zwei Gründe:

  • Wenn du gehst, ist es wahrscheinlicher, dass diese Entscheidung endgültig ist, es also kein Zurück mehr gibt. Wenn du bleibst, ist das anders: schließlich kannst du deine/n Partner/in theoretisch jeden Tag verlassen.

  • Wie sich das Bleiben anfühlt, weißt du schon, denn du lebst ja schon eine Weile in dieser Beziehung. Wie sich dein Leben nach einer Trennung entwickeln würde, ist ungewiss – das verunsichert.

Kommt dir das bekannt vor: Sobald du kurz davor stehst, dich wirklich zu trennen, kommen dir Erinnerungen an bessere Zeiten in den Sinn oder / und du stellst dir vor, wie es wäre, wenn sich die Dinge zwischen dir und deiner/m Partner/in entspannen würden.


Vielleicht ist es sogar so, dass du dich schon mal getrennt hast, und kurze Zeit später hast du den anderen vermisst und dir vorgestellt, wie ihr euch wieder verliebt anlächelt, blind versteht und die Nähe genießt.


Trennung!? Bleib realistisch, wenn du Angst vor einer falschen Entscheidung hast

Hier spielt uns unser Gehirn leider oft einen Streich und verzerrt die Vergangenheit bzw. löscht negative Erlebnisse. In Folge dessen sehnen wir uns den – plötzlich wieder nahezu perfekt anmutenden – Menschen zurück an unserer Seite.


Diesen Hirngespinsten schlägst du ein Schnippchen, indem du alle Situationen und Dinge aufschreibst, die dich während eurer gemeinsamen Zeit genervt, enttäuscht und verletzt haben und aufgrund derer du gehen möchtest.


Denn machen wir uns nix vor: Veränderung ist kein Kindergeburtstag – Stichwort 'Diät' oder 'Silvestervorsatz' ...


Menschen können sich ändern, ja. Aber sie werden niemand komplett Anderes. Sie drehen sich nicht um 180°. Vielleicht um 10.