• Sandra Hinte

Wann sollte man sich trennen? An dieser EINEN Sache erkennst du, dass es Zeit zu gehen ist


Wann sollte man sich trennen?

Das war's.

Die zwei Sätze meines Mannes, ausgesprochen in unserer kleinen Küche, waren für mich der Todesstoß für unsere Beziehung. Innerlich habe ich mich in diesem Moment endgültig von ihm getrennt.

»Ich hör ab jetzt auf, mich zu bemühen. Nimm mich, wie ich bin, oder lass es.« Für mich hieß das: komm klar mit dem, was mich über Jahre immer wieder verletzt hatte und sich somit also nie ändern sollte. Friss oder stirb.

Einige Wochen später waren wir nach fast 30 gemeinsamen Jahren kein Paar mehr. Eine düstere Zeit für unsere fünfköpfige Familie. 


 
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Natürlich waren wir schon davor mehrfach gestolpert und gefallen. Doch sind immer wieder aufeinander zugegangen, haben uns zusammengerauft, Neues versucht, waren bei Coaches und Therapeuten und vieles mehr.

Kennst du diese aufkeimende Hoffnung nach einer schwierigen Phase mit deiner Partnerin oder deinem Partnerin? Du leckst deine Wunden, kommst auf die Beine, richtest deine Krone.


Du gibst dein Bestes, redest, hoffst, dass dieses oder jenes nicht nochmal passiert oder dass dieses oder jenes endlich passiert. 

Doch schon bald landet ihr wieder auf dem harten Boden der Realität – Autsch! – und in euren alten destruktiven Mustern.


Destruktive Muster: Wann sollte man sich trennen?

Irgendwann werden sie lauter, die Zweifel an der Beziehung.


Doch im selben Moment ploppen Schuldgefühle hoch ... Ach nein, so schlimm ist es ja nicht. Vielleicht bist du wirklich nur zu empfindlich? Und was, wenn sich eine Trennung später als falsche Entscheidung herausstellte?

Du wartest wieder ein wenig ab, versuchst klar zu kommen ... Wahrscheinlich liegt's tatsächlich an dir: zu hohe Erwartungen, zu wenig Selbstliebe. (By the way: Selbstliebe ist für mich das Unwort der letzten Jahre).

Du denkst: »Wenn sie oder er doch nur verstehen würde ...« Legst 'nen Ratgeber aufs Kopfkissen. Vielleicht könntet ihr ja auch mal diese neue Therapeutin im Nachbarort ausprobieren!?

Mit jeder verlorenen Runde wirst du müder und kraftloser, wie ein angezählter Boxer, der mit blutiger Nase auf dem Boden des Rings kauert.

Aber da sind schließlich die vielen gemeinsamen Jahre, die Kinder, das Vertraute, zwischendurch auch wieder schöne und leichte Wochen ... Und doch schwindet immer mehr Nähe, und Wut und Enttäuschung gehen schleichend über in Resignation. 


 
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Wann sollte man die Hoffnung begraben und sich trennen?


Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ist so.


Die Aussicht auf eine erfüllte und authentische Beziehung kannst du jedoch in dem Moment begraben, in dem es dein/e Partner/in ablehnt, sich zu bewegen, sich weiterzuentwickeln und gemeinsam mit dir zu wachsen.


Warum Stagnation den Tod einer Beziehung ankündigt, und an welchen 7 Signalen du erkennst, dass dieser Punkt erreicht ist, das liest du jetzt.  

Eine Beziehung ist nichts Statisches

Wären Verbindungen zwischen zwei Menschen starre, unveränderliche Angelegenheiten, hätte niemand Beziehungsprobleme oder steckte gar in einer -krise. Stattdessen würden wir uns irgendwann verlieben und fortan für immer und ewig mit der rosaroten Brille auf der Nase und glücklich vereint mit dem Partner durchs gemeinsame Leben schlendern.


Surprise, surprise: so läuft's nicht. Zumindest in 99 Periode neun % der Fälle nicht. Das hat einen banalen Grund: Menschen verändern sich. Ihre Werte verändern sich. Gefühle verändern sich. Bedürfnisse verändern sich. 


Christine beispielsweise hatte immer ein großes Sicherheitsbedürfnis – auch in finanzieller Hinsicht. Mit 19 kam sie mit Gregor zusammen, dem 28-jährigen aufstrebenden Jung-Anwalt in einer erfolgreichen Kanzlei.

Vier Jahre später zogen sie zusammen; Christine lag in den Endzügen ihres Germanistik-Studiums, Gregor erklomm unaufhaltsam die Karriereleiter. Christine nutzte ihn nicht aus, hatte aber auch kein Problem damit, dass Miete, Restaurantbesuche und Urlaubsreisen immer auf Gregor gingen. Gregor gefiel das – es erfüllte ihn mit Stolz, für seine Verlobte zu sorgen. Hier und da gab er auch gerne vor seinen Freunden an: mit der Rolex, die er ihr zum Geburtstag geschenkt hatte, oder mit den Fotos ihrer Karibik-Kreuzfahrt. 


Nach der rosaroten Brille kommt irgendwann oft die Frage 'Wann sollte man sich trennen?'

Zehn Jahre später ist Christine eine bekannte und gut verdienende Krimi-Autorin, und Gregors Kanzlei, die er vor zwei Jahren eröffnet hat, läuft schlechter als erwartet.


Eigentlich besteht kein Grund zur Sorge, denn Christine hat genug Geld zur Seite gelegt, um Gregors Startschwierigkeiten auszugleichen. Dennoch gibt es immer öfter Streit in der Beziehung: Gregors Selbstbewusstsein leidet unter seinem vermeintlichen Misserfolg. Und darunter, dass Christine mehr verdient als er. Christine dagegen hat sich aus ihrer Abhängigkeit von Gregor gelöst, und ihr Bedürfnis nach Sicherheit spielt kaum noch eine Rolle. Sie tritt selbstbewusster auf, Gregors Prahlereien vor Freunden und Verwandten sind ihr zusehends peinlich. In ihr kommen erste Zweifel an der Beziehung auf, und immer öfter fragt sie sich: Trennung ja oder nein?


 
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Was ist passiert, und was bedeutet das für die Beziehung zwischen Gregor und Christine? Nun ja: die beiden 'funktionieren' nicht mehr miteinander. Sie sind nicht mehr wie Schlüssel und Schloss oder Topf und Deckel. 


Warum kommen zwei Menschen zusammen, und wann sollte man sich trennen?


Das Beispiel von Christine und Gregor macht deutlich, dass es viel mit unserer Prägung, unseren bewussten oder unbewussten Bedürfnissen und Werten zu tun hat, welche Partnerin oder welchen Partner wir wählen.


Doch Bedürfnisse und Werte können sich ändern und damit das gesamte System ins Wanken bringen. 

Ein System – und somit auch jede Beziehung – besteht aus seinen Einzelteilen. Es ist wie bei einem Mobile, an dem mehrere Elemente hängen: Bringt sich ein Teil in Schwingung (so wie Christine, die sich aus ihrer Abhängigkeit gelöst hat), wirkt sich das auf das gesamte Gebilde aus.

In diesem Moment kommt es darauf an, wie die anderen Teile – also die Partnerin bzw. der Partner – darauf reagieren. Ist sie oder er dauerhaft nicht dazu bereit, sich ebenfalls zu bewegen, wird es problematisch. Um beim Mobile zu bleiben: Die Schnüre verheddern und verknoten sich.