• Sandra Hinte

Liebe oder Gewohnheit? So findest du heraus, ob deine Beziehung nur im Trott oder schon tot ist


Liebe oder Gewohnheit? Wie Du in 3 Schritten herausfindest, ob Deine Beziehung nur im Trott oder schon tot ist

Ein Liebespaar


Seid ihr das überhaupt noch?


Ein Paar, ja.


Vielleicht ein Elternpaar.


Manchmal fühlt es sich wie ein Geschwisterpaar an.


Eher wie in einer WG.


Bestenfalls seid ihr ein mehr oder weniger gutes Team – aber ein Liebespaar?


Das fragt sich auch Tine. Markus und sie sind seit über 20 Jahren zusammen. Bei allen Aufs und Abs: es läuft o.k. Ja, natürlich, sie haben nur noch selten Sex. Aber ist das so wichtig? Zählen nicht andere Dinge?


Doch jetzt hat sich Tine verliebt. Oder zumindest verguckt. In ihren neuen Kollegen. Ständig ertappt sie sich bei Tagträumen, und wenn Paul und sie sich im Büro zufällig berühren, kriegt sie eine Gänsehaut.

Jedes Mal schämt sich Tine dabei: Wenn ihre Ehe intakt wäre und sie Markus wirklich lieben würde, dann dürfte das mit Paul doch gar nicht passieren, oder!? Ihre Gefühle erschrecken und verwirren Tine, und zunehmend nagen Zweifel an ihr.


 
Trennung ja oder nein? Beziehungstest gratis
 

Aus was besteht die Beziehung eigentlich noch: Liebe oder Gewohnheit?


Wenn die Liebeskurve in deiner Partnerschaft einer Nulllinie gleicht, weil der ewige Trott sämtliche Ausschläge platt gemacht hat, dann stellst du dir wahrscheinlich ähnliche Fragen wie Tine:


Sind wir nur noch aus Bequemlichkeit zusammen? Reicht das? Und was, wenn nicht?

Falls du diese quälenden Gedanken kennst und vielleicht schon überlegst, ob du besser gehen oder bleiben solltest, dann gebe ich dir in diesem Artikel 3 Schritte an die Hand, mit denen du herausfindest, wie stark deine Beziehung vom Herzstillstand bedroht ist und was du jetzt tun kannst.


Partnerschaft im Dornröschenschlaf


Sonntag, 22 Uhr. Du gähnst.


Soeben haben die Tatort-Kommissare den Mörder geschnappt. »War ja nach 'ner halben Stunde klar, wer's war.« Du nickst: »Stimmt, war schon mal spannender.«


Ihr trottet zum Zähneputzen ins Bad, steigt in eure Pyjamas, legt euch ins Bett, und dann ... Sollte man nicht mal wieder? Ach ne, vielleicht nächsten Sonntag. Licht aus und »Gut Nacht!«


Am nächsten Morgen sind die Kinder schon auf dem Weg zur Schule, ihr kaut euer Toastbrot und schlürft euren Kaffee – einmal mit, einmal ohne Milch.


Alltagsroutine: Ist das Liebe oder Gewohnheit?

Ihr besprecht im Schnelldurchlauf, was die Woche ansteht: Die Präsentation für deinen Chef muss bis Donnerstag fertig sein. Übermorgen das Handballspiel vom Kleinen. Wer besorgt eigentlich das Geschenk für Daniels Geburtstag am Freitag? Und kann die Kaffeetasse nicht einmal gleich in die Spülmaschine geräumt werden?


Am Mittwochabend kuschelst du dich auf dem Sofa an deinen Partner. Vielleicht könnte man ja wirklich mal wieder ... Beiläufig tätschelt er deinen Arm, während er sich weiter durchs Smartphone scrollt.


»Wie ein Roboter«, denkst du frustriert. Du fühlst dich abserviert und abgewiesen, was dir einen kleinen Stich in die Brust versetzt.

Doch wenn du ehrlich bist: Oft genug bist auch du es, die zu müde ist. Zu müde für Sex (der sowieso meistens langweilig ist), zu erschöpft für tiefe Gespräche (die eh ständig im Streit enden), zu gestresst für Paar-Aktivitäten (die im Kalender neben dem alltäglichen Wahnsinn ohnehin kaum Platz fänden).


 
Trennung ja oder nein? Beziehungstest gratis
 

So läuft es seit Monaten. Oder sind es schon Jahre?


Doch in letzter Zeit nimmst du immer öfter diese kleine Stimme in deinem Kopf wahr, die sich nicht mehr ignorieren lässt – im Gegenteil; sie meldet sich immer lauter zu Wort:


Wann wurde unsere Liebe zur Gewohnheit? Warum ist uns die Leidenschaft abhanden gekommen? Wo sind die Gefühle hin?


Du sehnst dich nach den zärtlichen Blicken von früher, nach diesem ganz besonderen Lächeln, nach dem Feuer, der Spontanität, den nächtelangen Gesprächen über alles und nichts.


Da war so viel Neugierde auf- und echtes Interesse aneinander: Ihr habt Pläne geschmiedet für den nächsten Urlaub, eine gemeinsame Zukunft, und ihr seid nicht müde geworden, dem anderen zu zeigen: »Ich liebe dich und will, dass du glücklich bist!«


Ist das für immer vorbei? Klappe zu, Affe tot?

Kennst du auch diese Momente, in denen du einen romantischen Hollywood-Streifen schaust und innerlich »Haaach!« seufzt, weil du die Julia Roberts und Richard Geres in ihrer rosaroten Welt beneidest?

Oder deinen Kumpel Thomas, der gerade mit seiner Frau einen Abenteuertrip nach Norwegen plant, wo die beiden eng umschlungen die aufregendsten Polarlichter ever sehen werden.


Und dann triffst du auch noch deine frühere Nachbarin, die seit zwei Monaten auf Wolke 7 schwebt und offensichtlich eine Traumbeziehung mit ihrem Neuen führt.


Und wieder klingt es in deinem innerem Ohr:


»Ich will auch ein Stück von der großen, bunten, süßen Liebestorte statt die Krümel des faden, trockenen Rührkuchens von vorgestern!«


Ich kenne diese Sehnsüchte und Zweifel aus meiner eigenen Beziehung. Wir waren fast 30 Jahre zusammen – eine klassische Langzeitbeziehung.


Wir haben so einiges versucht, um unsere Partnerschaft vor dem Herzstillstand zu bewahren: Eine Therapeutin riet uns damals beispielsweise, uns regelmäßig 5 Minuten lang »einfach nur zu halten und zu spüren« – im Stehen wohl bemerkt. Das Ergebnis? Nun ja: mein Ex-Mann ist 1,90 m groß ... Mit meinen 1,64 spürte ich ab Sekunde 30 in erster Linie mal meinen Nacken.


In einem Buch lasen wir von festen Wochen-Sex-Dates ... Wir hatten mehr Sex, ja, aber lockerflockig ist anders.

Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass es hilfreichere Empfehlungen gibt (dazu gleich mehr), aber fest steht:


Je länger du mit deiner/m Partner/in zusammen bist, umso größer ist die Gefahr, dass sich irgendwann einer von beiden fragt: »Und das war's jetzt?«


 
Trennung ja oder nein? Beziehungstest gratis
 

Soll das schon alles gewesen sein?


Alltagsroutine und weniger aufregende Phasen sind das eine. Wirklich schwierig wird's, wenn sich Langweile und Starre wie Holzwürmer in das Fundament eurer Beziehung fressen:

  • Eure Gespräche verlaufen nur noch seicht, und Probleme oder Anliegen bleiben unausgesprochen und -gelöst bzw. eine(r) macht alles mit sich allein aus.

  • Bedürfnisse werden dauerhaft unterdrückt, z.B. nach Austausch, Entwicklung, Spaß, Aktivität.

  • Zärtlichkeiten werden abgeblockt, und die / der Zurückgewiesene fühlt sich ungeliebt und abgewertet.

  • Einer von euch zweifelt, ob die Gefühle noch stark genug sind und er den anderen überhaupt noch liebt oder umgekehrt.

  • Einer von euch hat sich in jemand anderen verliebt.

  • Einer von euch fragt sich bereits: Trennung ja oder nein?


Je mehr Punkte auf deine Beziehung zutreffen, umso größer sind wahrscheinlich bereits deine Zweifel.

Und umso wichtiger ist es, dass du dir klar machst, wo ihr steht und was du in der jetzigen Situation tun kannst.


Liebe oder Gewohnheit: Wo steht ihr als Paar?


Wie also erkennst du, ob da noch (genug) Liebe zwischen euch ist?


Hier kommen 3 Schritte, mit denen du es herausfindest:



Schritt 1:

Die Situation einordnen und Schuld und Scham überwinden


Was ist eigentlich so schlecht an 'Gewohnheit'? Richtig: nix. Oder sagen wir es so: Gewohnheit ist nicht immer und pauschal etwas Schlechtes.


Es ist z.B. eine gute Gewohnheit, jeden Tag einen kleinen Spaziergang zu machen – er hält dich gesund. Es ist eine gute Gewohnheit, sich einen Einkaufszettel zu schreiben – so vergisst du nicht die Hälfte und sparst Zeit.


Es gibt viele gute Gewohnheiten. Auch in Beziehungen.

Der Begrüßungskuss kann eine sein. Oder dass dir Dein Freund nach dem Duschen den Rücken eincremt. Oder dass dir deine Frau jeden Mittag den Herzchen-Augen-Emoji aus der Kantine schickt.


 
Trennung ja oder nein? Beziehungstest gratis
 

Es ist normal, dass etwas, das lange anhält, irgendwann zur Gewohnheit wird.


Wir Menschen sind so gestrickt. Und das ist o.k. Insofern darfst du es erst einmal akzeptieren und erlauben, dass deine Beziehung zur Gewohnheit geworden ist. Und du darfst dich fragen, ob sich Liebe und Gewohnheit ausschließen müssen.


Wie wäre es, wenn es nicht 'Liebe oder Gewohnheit' lauten würde, sondern 'Liebe und Gewohnheit'?

Aber machen wir uns nichts vor: Es ist leider genauso normal, dass sich eine Gewohnheit irgendwann plötzlich öööde und laaangweilig anfühlt. Stinklangweilig.


Darum wählst du eines Tages nicht mehr den Spazierweg durch den Wald, sondern den durch den Park.


Deshalb warst du letzte Woche im Tante-Emma-Laden einkaufen statt wie sonst immer im Supermarkt.


Deshalb endet 'Pretty Woman' mit der Szene, in der Edward seine weiße Limousine unter Vivians Fenster parkt und sich über die Feuerleiter zu ihr hochkämpft ... und nicht 20 Jahre später, wo die beiden abends nicht über einander, sondern die Tüte Chips herfallen, während im TV die Oprah Winfrey Show läuft.


Apropos Pretty Woman: Was werden wir von den Medien geblendet!


Schau dir z.B. nur mal Parfum-Spots an: diese geheimnisvolle, knisternde, verruchte Stimmung ist so aufregend ... Doch mit Liebe hat sie nichts zu tun.

Ebenso wenig die Geschichte von der ehemaligen Nachbarin, die bis über beide Ohren verknallt ist und dir mit roten Wangen berichtet, dass sie im letzten Urlaub kaum aus dem Hotelbett gekommen sind.


Liebe oder Gewohnheit? Endlich mal wieder so richtig verknallt!

Dennoch brauchst du die Sehnsucht, die dabei in dir geweckt wird, nicht wegdrücken (funktioniert auf Dauer sowieso nicht): Die Lust auf das Unbekannte, potenziell Bessere darf da sein – auch und gerade in einer Langzeitbeziehung.


Hör auf, dich für deine Gefühle zu verurteilen!

Warum sollte es dir beispielsweise nicht passieren dürfen, dich in deinen neuen Kollegen zu vergucken? Du hast Bedürfnisse, deren Erfüllung durch diesen anderen Menschen in greifbare Nähe zu rücken scheint. Das macht dich nicht zu einem undankbaren, schlechten Menschen. Es heißt auch nicht, dass deine Beziehung durch und durch mies ist. Und es bedeutet nicht automatisch, dass du deine/n Partner/in nicht mehr liebst oder umgekehrt.