• Sandra Hinte

Was du tun und lassen solltest, um deinen Kindern die Trennung zu erleichtern: 3 goldene Regeln


Trennung Kinder

Ich habe in meinen ersten 20 Lebensjahren selbst drei Scheidungen meiner Mutter miterlebt – glücklicherweise alle mehr oder weniger rosenkriegsfrei.


Meine eigene Beziehung zerbrach nach 30 Jahren, und ich bin mehr als dankbar, dass es mein Ex-Mann und ich geschafft haben, unsere drei Kinder bei allem Schmerz, den eine Scheidung für alle Familienmitglieder bedeutet, heil und stabil durch diesen Prozess begleitet zu haben.


3 goldene Regeln für eine Trennung mit Kindern


Erst vorgestern auf dem Tennisplatz hab ich wieder eine Geschichte gehört, in der es um die Folgen einer Scheidung ging und vor allem um das schwächste Glied in dieser Kette: die Kinder.


Was ich da so alles in meinem Umfeld mitkriege, macht mich manchmal sauwütend:


Ausgerechnet die unschuldigsten Beteiligten, die am meisten Schutz bedürfen, werden instrumentalisiert, manipuliert und zwischen die Fronten getrieben.

 
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Bei meiner eigenen Biografie ist es kein Wunder, dass mir dieses Thema am Herzen liegt. Aus diesem Grund gebe ich dir später 3 goldene Regeln an die Hand, um deine Kinder möglichst unbeschadet durch die Zeit während und nach der Trennung zu begleiten.


Aber lass uns mit der Zeit vor einer Trennung beginnen:

Kinder als Kitt versus Trennung trotz Kindern


Gemeinsame Kinder sind – vor allem solange sie noch im elterlichen Haus leben – meist die stärkste Motivation, wenn es darum geht, eine Beziehung aufrechtzuerhalten, die ansonsten vielleicht schon längst gescheitert wäre.

Daran ist nichts Verwerfliches, solange Konflikte nicht eskalieren oder die Familie nicht in einem Nebel aus ewigem Schweigen oder permanenten Anfeindungen und Sticheleien gefangen ist.


Kinder sind das schwächste Glied in einer Trennung

Wenn sich beide Partner eine zumindest kleine Basis aus Respekt, Wertschätzung und Zuneigung erhalten konnten und dann beschließen, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, Probleme anpacken und mögliche Perspektiven entwickeln, kann sich die Überwindung von 'Durststrecken' definitiv lohnen – auch und gerade 'nur' der Kinder zuliebe. Aber:


Kein Kind kann kitten, was schon im Kern zerbrochen oder zerrissen ist.

Noch weniger sollte es die – bewusst oder unbewusst erteilte – Mission eines Kindes sein, dieser Kitt zu sein.


Wenn man für einen kurzen Moment reinspürt in diese unfassbare Verantwortung, dann erdrückt sie einen schier – eine Last, die umso größer misst und schwerer wiegt, je schmaler die Schultern sind, die sie tragen müssen.


Zum Wohle unserer Kinder tun wir gut daran, die Grenze zwischen 'Kinder als Motivation für Veränderung' und 'Kinder als Kitt' zu erkennen und klar zu ziehen.


 
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»Hauptsache, den Kindern geht's gut«? In einer Trennung oft glatt gelogen!


Ist die Entscheidung zur Trennung oder Scheidung von einem oder beiden Partnern gefallen, heißt es fast immer großmütig: »Hauptsache, die Kinder leiden so wenig wie möglich.«


Welch hehres Ziel!


Doch wie oft beginnen stattdessen offen oder verdeckt ausgetragene Spielchen!?

Da werden über die Köpfe hinweg Entscheidungen getroffen, vollendete Tatsachen geschaffen, manipuliert, Zäune hochgezogen, Fallen aufgestellt … All das gerne schön geredet unter dem Deckmäntelchen 'zum Wohle der Kinder'.


In Wirklichkeit entwickelt sich eine Dynamik, in der mit teilweise subtilsten Mitteln so lange an den Kindern gezerrt wird, bis diese an ihren inneren Loyalitätskonflikten fast zerbrechen.


Was dieses Szenario besonders traurig macht:


Viele Scheidungskinder setzen alles daran, sich ihre Zerrissenheit nicht anmerken lassen.

Je älter die Kinder sind, wenn sie erleben, wie frustriert und ausgelaugt ihre Eltern von den Beziehungs- bzw. Trennungsstrapazen sind, desto eher leiden sie lieber still vor sich hin als sie auch noch mit ihren eigenen Ängsten und Unsicherheiten zu belasten.


Kinder machen während einer Trennung vieles mit sich alleine aus

Warum du bei einer Trennung deinem Kind zuliebe Frieden mit deiner Vergangenheit machen solltest


Wenn die zwei wichtigsten Bezugspersonen eines Kindes oder Jugendlichen auseinandergehen, tut das schon genug weh – unabhängig davon, wer von den Eltern welchen Anteil am Scheitern der Verbindung hatte.


Umso mehr sollten wir als Erwachsene alles daransetzen, die Trennung für uns selbst so gut wie möglich zu verarbeiten, der/m Ex-Partner/in vergeben (auch wenn du jetzt innerlich denkst: »Niiieeemals – diesem Mistkerl / Miststück!«) und nicht zuletzt auch uns selbst verzeihen.


Nur wenn du mit Deiner Vergangenheit Frieden schließt, kannst du irgendwann wieder glücklich werden, zuversichtlich in die Zukunft blicken und deinen Kindern verlässliche(r) Vater oder Mutter sein.

Nicht du, sondern die Bedürfnisse deiner Kinder sind während einer Trennung am wichtigsten


Es geht also darum, gut für sich zu sorgen und ins Reine zu kommen – mit sich, der oder dem Ex und der Vergangenheit.


Nur eins ist in dieser Zeit noch wichtiger: die Bedürfnisse der Kinder. Und die brauchen nun mal beide Elternteile, um sich ganzheitlich gesund zu entwickeln (von wenigen Ausnahmen abgesehen, in denen die physische oder psychische Gesundheit des Kindes durch das Verhalten eines Elternteils gefährdet ist).


 
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Wenn es dir ernst ist mit dem Wunsch, deine Kinder mögen die Trennung so unversehrt wie möglich überwinden, und wenn sie dir wirklich am Herzen liegen, dann lass die folgenden 3 Dinge sein – auch wenn es dir noch so schwer fällt:

Lass das sein Nr. 1: Du boykottierst den Kontakt zum anderen Elternteil


Disneyland-Daddy – kennst du diesen Begriff?


Gerade wenn das Sorgerecht klassisch (manche sagen auch konservativ oder antiquiert) aufgeteilt wird, bleibt den Müttern oft der Alltag zwischen Hausaufgaben, Pausenbroten und Taxi-Diensten, während die Väter am Wochenende oder in den Urlauben das Vergnügen mit den Kindern haben.


»Das ist nicht fair«, höre ich dann oft von den Müttern.

Das stimmt … und irgendwie auch nicht. Denn vielleicht sehnt sich der Vater genau nach diesem Alltag und vermisst die abendlichen Gespräche oder Geschwister-Zickereien am Abendbrottisch, während sich der andere Teil – in diesem Fall die Mutter – womöglich allein gelassen und überfordert fühlt.


Manchmal lässt sich der Kontakt mit den Kindern eben nicht zu 100% gerecht aufteilen – sei es aus beruflichen oder wohnortsbedingten Gründen oder einfach, weil es so entschieden wurde.


Ich möchte nicht leugnen, dass es Väter oder Mütter gibt, die sich aus der alltäglichen Verantwortung stehlen.


Für die Kinder allerdings zählt nur eins: dass sie beide Elternteile sehen und Zeit mit ihnen verbringen dürfen.

Es darf dich nerven, dass der andere die tollsten Ausflüge oder aufregende Reisen unternimmt und am letzten Wochenende wieder nur Pizza und Cola serviert hat.


Kinder sollten sich nach einer Trennung nicht für einen Elternteil entscheiden müssen

Doch der Versuch, diesen Ärger loszuwerden, indem der Kontakt zwischen Kind und Ex mehr als nötig reglementiert, erschwert oder gar unterbunden wird, bedeutet für die Kinder eine schlimme Zerreißprobe. Je älter sie sind, desto mehr sollte man ihnen die Wahl lassen, wann sie bei wem sind und wie sie die Zeit mit Mama oder Papa verbringen.


Deine Kinder sollten sich überall willkommen fühlen dürfen und nicht denken müssen, dass sie sich gegen dich entscheiden, nur weil sie auch gerne mit dem anderen Elternteil zusammen sind.


Lass das sein Nr. 2: Dein Kind soll dich mehr lieb haben als den anderen Elternteil


Unabhängig davon, wer sich von wem getrennt hat: Du bist wahrscheinlich verletzt und enttäuscht, dass es so gekommen ist. Vielleicht denkst du, wenn dein/e Ex anders wäre oder gehandelt hätte, wär das alles nicht passiert. Und das soll das Umfeld doch bitte genauso sehen – im besten Fall auch der Nachwuchs.


Wenn du die Kinder gegen die / den Ex-Partner/in aufhetzt, fühlt es sich (kurzfristig) so an, als säßest du am längeren Hebel und nicht allein im Boot, und einen eindeutigen Schuldigen gibt es dann endlich auch.


 
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Das Aufstacheln stärkt dich und schwächt die oder den anderen – allerdings nur oberflächlich und vermeintlich.