Das Schweigen der Männer: Wenn der Partner nicht über Gefühle und Probleme reden will
  • Sandra Hinte

Das Schweigen der Männer: Wenn der Partner nicht über Gefühle und Probleme reden will

Aktualisiert: Feb 24

Gastartikel von Mathias Rudolf

​Wollen Männer wirklich nicht in die Tiefe gehen in der Partnerschaft?


»Kann es denn nicht einmal einfach sein?« Diesen Satz habe ich vor einigen Jahren verzweifelt gestöhnt, als meine Frau sich wieder einmal über einige Beziehungsthemen unterhalten wollte. Und ehrlich gesagt, ich unterstelle, dass es ganz viele Menschen in Partnerschaften gibt, denen das bekannt vorkommt.


In meiner Arbeit habe ich oft mit Frauen zu tun, die gern ihre Beziehung retten möchten. Die sich nicht zufrieden geben mit Ferne, Streits und Einsamkeit in ihrem Paar-Alltag. Wenn ich dann vorschlage, dass wir uns einmal zu dritt hinsetzen und darüber sprechen, kommt oft die Antwort: »Mein Partner hat überhaupt kein Interesse an so was!«

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Die Frage ist: Warum ist das so? Warum hat der Partner kein Interesse daran, über die Beziehung zu sprechen? Und: Können wir uns der Antwort überhaupt befriedigend annähern?



Das große Thema 'Schuld'


Tatsächlich ist das Thema natürlich komplexer, als ein einziger Blogartikel umreißen könnte. Jede Beziehung oder Familie ist ein eigenes System, mit eigenen Regeln und Strukturen, die sich nicht ohne Weiteres auf andere Systeme und Familien übertragen lassen. Dennoch lassen sich einige Grundmuster erkennen, die uns vielleicht den Strohhalm liefern, nach dem wir greifen können.


Beginnen wir mit einem großen Wort: Schuld. Nach meiner Beobachtung denken viele Männer gerade innerhalb ihrer Beziehung in den Polen 'richtig' und 'falsch'. Das heißt, wenn sich die Partnerin mit Gesprächsbedarf meldet, ist einer der ersten Gedanken: »Was habe ich nun wieder falsch gemacht? Bin ich schon wieder der Schuldige?«


Die Dynamik, die dahinter steckt, kann vielfältig sein und ist eng mit den traditionellen Rollenbildern verwoben, die uns alle noch im Genick sitzen.



Jungen und Gefühle


Zum einen, und so abgedroschen es klingt: Mit Jungen wurde auch in den letzten Jahrzehnten nicht über ihre Gefühle geredet. Sie wurden nicht gefragt, was für Beweggründe sie haben, etwas zu tun oder zu lassen. Ob sie verletzt, wütend oder traurig sind. Was sie glücklich und fröhlich macht. Es sind Rabauken, sie sind frech. Punkt. Ende.


Er ist ein braver Junge, wenn er gehorcht und alles richtig macht. Ganz besonders, wenn die Beziehung zur Mutter sich so gestaltete, dass sie endlich Ruhe gab, wenn der pubertäre Jugendliche das tat, was von ihm verlangt wird. Wenn ansonsten geschimpft, gemeckert und gegängelt wurde.


Der junge Mann hat gelernt: »Wenn ich alles richtig mache, dann darf ich endlich meine Ruhe haben.« Dass sein weibliches Gegenüber ein echtes Interesse an ihm haben könnte, steht gar nicht erst im Raum.


Der zweite Faktor ist natürlich das Vorbild Vater. Hast du bei Deinen Eltern beobachten können, dass sich über Gefühle unterhalten wird? Dass es einen achtsamen Austausch gab, intensive Kommunikation? Oder war nicht schon dein Vater ein wortkarger Wolfram, der jedes Gespräch über Gefühle zynisch abgetan hat, weil das Geheule und Gelaber nervte?


Ich selbst bin immer noch fassungslos, dass ich hier gerade nicht die Inhaltsangabe eines vor Klischees triefenden schlechten Films beschreibe, sondern die Kindheitserlebnisse vieler meiner Klienten.



Rollenbilder und Familienstrukturen


Verstärkt wird diese Dynamik noch durch das genauso vorhandene Rollenbild einer Frau: Immer noch gehen Frauen immer und immer wieder über ihre Grenzen. Sie opfern sich auf für ihre Kinder, ihren Mann und ihren Job, bis es einfach nicht mehr geht.


Die Erschöpfung und Verletzung über diesen Zustand lässt sich jedoch nicht ewig zurückhalten. Wenn die Partnerin dann tatsächlich Themen anspricht, kann sie gar nicht mehr anders, als voller Vorwürfe und Beschuldigungen herauszuplatzen, die den erwähnten Gedanken im Partner noch verstärkt: »Jetzt habe ich wieder alles falsch gemacht!«


Wir kommen aus Familienstrukturen, in denen die Mitglieder zu funktionieren hatten. In denen die schlechte Schulnote bedeutend schlimmer war, als die Verletzung durch den Streit mit einem Schulfreund. Wo das Sprechen über Gefühle nervte, anstrengend war und zu nichts führte. In denen es eine Tugend war, endlich mal mit der Faust auf den Tisch zu hauen, damit endlich Ruhe ist.


Wie kommen wir aus der Sache jetzt wieder raus?



Die Entscheidung


Für mich ist es ganz wichtig, dass folgende Entscheidung getroffen wird: »Ich entscheide mich, auch wenn meine Erfahrung eine andere ist, darauf zu vertrauen, dass meine Einschätzung zum Thema 'Gefühle' nicht stimmen muss. Dass meine Einschätzung subjektiv ist.«


Darin liegt für mich der erste wichtigste Schritt in Richtung einer Annäherung von Mann und Frau beim Thema 'Über Gefühle sprechen'.


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Für wen tue ich das?


Und noch eine zweite Erkenntnis ist wichtig: Wenn ich mich mit meinen inneren Vorgängen auseinandersetze, tue ich das nicht, damit die Alte endlich Ruhe gibt.


Männer, Ihr müsst nicht unbedingt anfangen, über Eure Gefühle zu reden, wenn Ihr gerade gar keine empfindet. Wenn Ihr jedoch keine empfindet, ist zumindest die Möglichkeit da, dass in Euch irgendetwas leidet, dass sich nicht traut, sich zu zeigen. Und dass es gut wäre, mal zu schauen, ob und was in Euch leidet.


Es geht in erster Linie nicht um das Wohl Eurer Freundin oder Frau. Es geht grundsätzlich erstmal um Euch selbst und ob Ihr glücklich seid. Denn dann wird auch Eure Beziehung bedeutend glücklicher sein. Und das wünsche ich Euch von ganzem Herzen.


Hat irgendjemand Schuld an irgendetwas? Nein, ganz sicher nicht. Jeder und jede tut sein / ihr Bestes. Aber da ist jede Menge Potential. Und das wollen wir aufdecken und erblühen lassen.


Shalom,

Euer Mathias

Über Mathias:


Mathias Rudolf ist Paarcoach, Kongressveranstalter und Blogger bei DER BRUNNEN DEINER SEELE. Er glaubt daran, dass wahre Nähe in der Partnerschaft möglich ist, wenn wir lernen, bedürfnisorientiert, achtsam und liebevoll mit uns selbst und unserem Partner zu kommunizieren. Sein Herzenswunsch ist es, Dir und Deinem Partner zu einer glücklicheren und liebevollen Beziehung zu verhelfen.


Wenn Du auch als Vater eine leidenschaftliche und innige Beziehung mit deiner Partnerin leben möchtest, schau Dir Mathias Webinar-Reihe an. Hier kannst Du Dich informieren und anmelden: Zur Webinar-Reihe 'Der Mann im Haus: Vater sein * Partner sein * Mann sein'

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