• Sandra Hinte

Wie innere Antreiber Dich und Deine Beziehung sabotieren und was Du dagegen tun kannst (inkl. Test)

Aktualisiert: Sept 11



Es ist anstrengend.


Frustrierend.


Zermürbend.


Warum schaffen es gefühlt alle anderen Coaches dieser Welt, jede Woche einen neuen Blog-Artikel zu veröffentlichen; ich selbst recherchiere, schreibe und korrigiere aber gefühlt 30 Stunden, bis ich so zufrieden bin, dass ich ihn veröffentliche?


Weshalb wälzte ich in meiner Ehe unermüdlich unzählige Beziehungsratgeber – auch noch zu einem Zeitpunkt, an dem ich schon längst wusste, dass meine Partnerschaft am Ende war?


Wieso schleppe ich mich nach einem viel zu eng getakteten Tag und einer unruhigen Nacht mit Nackenschmerzen und einem Gefühl aus dem Bett, als wäre soeben ein 30-Tonner über mich rübergebrettert?


Himmel, A&#!§? und Zwirn: warum eigentlich?


Tja, was soll ich sagen? Ich kann nichts dafür! Meine inneren Antreiber sind schuld. Bei mir haben sich vor allem zwei von ihnen zusammengetan und nerven mich mal mehr, mal weniger – und das schon seit ich denken kann.


O.k.: dass ich nichts dafür kann, stimmt nicht. Ist 'ne Ausrede. Eine schlechte noch dazu. Denn spätestens seit meiner Coachingausbildung, in der ich mich im Rahmen der Transaktionsanalyse mit den Antreibern beschäftigte, spätestens seitdem weiß ich, was sie sind: Lügner.


Doch wenn Du nicht aufpasst, sabotieren sie Dich und Deine Beziehung.


Darum empfehle ich Dir, Deine inneren Antreiber so schnell wie möglich zu enttarnen und zu entmachten. Du wirst sehen: das ist tausendmal besser als alle Ausflüchte zusammen.


Im Folgenden zeige ich Dir, was innere Antreiber sind, wie Du herausfindest, welche Dir und Deiner Partnerschaft am meisten schaden, und wie Du diese fiesen Zeitgenossen zukünftig im Zaum hältst.


Aber Moment mal: vielleicht hast Du so was ja gar nicht ... 🧐


Besitzt jeder Mensch innere Antreiber?


Gehörst Du zu den Leuten, die sich selbst nach einem 12-Stunden-Tag im Büro noch ans Schneiden der 20-Meter-Hecke machen oder sich für einen veganen Gemüseauflauf drei Stunden in die Küche stellen, statt Dich mit dem Ehepartner und einem Glas Wein gemütlich aufs Sofa zu fläzen und den Tag Revue passieren zu lassen?


Hörst Du eine Podcast-Folge zur Persönlichkeitsentwicklung nach der nächsten – oder am besten gleich drei gleichzeitig – und hast trotzdem bei der kleinsten Kritik das miese Gefühl, nicht gut genug zu sein?


Schaffst Du es einfach nicht »Nein« zu sagen, wenn Dich Deine Schwiegermutter darum bittet, ihr »noch kurz« zu erklären, wie sie im Internet ihren Urlaub auf Gran Canaria bucht (»Ich brauch genügend Beinfreiheit im Flieger und das Hotel muss Kundalini-Yoga anbieten und ein Allergiker-geeignetes Buffet!«), und ärgerst Dich danach, dass Dein Tagesablauf jetzt wieder mal komplett durcheinander geraten ist?


Erstarrst Du wie ein erschrockenes Kaninchen, wenn Dich Dein Partner wegen der schlechten Englisch-Note Eurer Tochter zusammenstaucht, und fragst Dich abends im Bett, warum Du Dir das mal wieder hast bieten lassen?


Ist Dein Mann genervt, weil Du jetzt doch noch die Nachbarn zum Grillfest eingeladen hast, obwohl die doch eh wieder nur über ihre Orchideen-Zucht reden?


Wenn Dir eine oder mehrere solcher Geschichten bekannt vorkommen, dann kannst Du Dir sicher sein: hier sind innere Antreiber am Werk.


Davon abgesehen: ich hab noch keinen ... ich wiederhole: K-E-I-N-E-N ... Menschen getroffen, in dem nicht mindestens ein innerer Antreiber wohnt. Du befindest Dich also in bester Gesellschaft.


Was sind innere Antreiber?


Innere Antreiber entstehen aus Glaubenssätzen, die Du seit Deiner Kindheit entwickelt hast; aus Überzeugungen darüber, wie Du bist, wie das Leben und die Welt sind, und vor allem auch darüber, wie Du sein solltest oder zu sein hast. Das Vorleben Deiner Bezugspersonen und die Erwartungen Deiner Eltern an Dich spielen also eine zentrale Rolle.


Stell Dir einmal eine typische Situation am Abendbrottisch vor, wie Du sie als Grundschulkind erlebt hast:


  • Ging es ruhig zu, oder wirkten alle irgendwie immer gestresst und gehetzt (»Jetzt mach mal hinne, Du musst noch die Goldfische füttern!«)?

  • Wurde ständig an Deinen Essmanieren oder an Deinem Aussehen rumgemäkelt (»Was sollen denn Sonjas Eltern denken, wenn Du dort zu Besuch bist!«)?

  • Wie wurde damit umgegangen, wenn Du traurig oder frustriert warst (»Jetzt heul doch nicht, nur weil Du nicht zum Reitturnier darfst!«)?

  • Was und wie wurde über das gesprochen, was Du erreicht hattest (»Hättest Du mehr gelernt, wär auch 'ne 1 statt 'ner 2 drin gewesen!«)?

  • Wurdest Du oft dazu angetrieben, die Dinge noch besser zu machen (»Nein, den Tintenfleck killerst Du nicht einfach weg, sondern schreibst das alles nochmal neu!«)


Et voilà: an diesem Esstisch wurden – ohne dass es den Beteiligten bewusst war – die Samen jener Antreiber ausgesät, die Dich fortan knechteten. Hört sich das jetzt etwas brutal an!? Na ja, sorry, aber innere Antreiber können brutal sein. 🤷🏻‍♀️ Aber hey: was ein Glück, dass Du jetzt diesen Artikel hier liest und damit die Chance hast, sie ausfindig zu machen und etwas gegen sie zu unternehmen.


Eine gute Nachricht ist: es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich alle fünf Antreiber, die es gibt, bei Dir 'eingenistet' haben. Mischformen aus ein bis drei Antreibern dagegen findet man umso häufiger.


Also schauen wir uns die Spezialisten mal genauer an ... (Wetten, dass Du alle Antreiber schnell den Abendbrot-Szenen oben zuordnen kannst und Dich selbst in der ein oder anderen Beschreibung wiederfindest!?):


Die Merkmale der 5 Antreiber


Der amerikanische Transaktionsanalytiker Taibi Kahler unterschied und definierte folgenden 5 Antreiber:


1. Antreiber: »Beeil dich!«


Allgemein:

Wenn Du Dich permanent gehetzt fühlst und Dich abends ein schlechtes Gewissen plagt, weil Du nicht alles geschafft hast, was auf Deiner To-do-Liste stand, dann ist vermutlich dieser Antreiber dafür verantwortlich.


Du denkst oft »Damit werde ich nie fertig!« oder machst mehrere Dinge gleichzeitig. Worte wie »kurz« oder »schnell« nutzt Du regelmäßig (»Ich muss noch schnell das Hemd bügeln«), trommelst nervös mit den Fingern auf der Schreibtischplatte oder / und wippst hektisch mit dem Fuß.


Auf Beziehungsebene:

Dein Gestresst-sein wirkt sich auch auf Euer Miteinander aus, denn Ruhe für Gemütlichkeit und Zweisamkeit gönnst Du Dir nur selten – womöglich zum Leidwesen Deiner Partnerin / Deines Partners.

Umgekehrt kannst Du es nicht nachvollziehen, wie man für's Ausräumen der Spülmaschine 10 Minuten brauchen kann – da kannst Du schon mal kurz ausflippen und es kommt zum Streit in der Beziehung.


2. Antreiber: »Mach es allen recht!«


Allgemein:

Du bist ständig bemüht, Dein Umfeld zufriedenzustellen (ob die Leute wollen oder nicht 😉), fühlst Dich verantwortlich für das Wohlbefinden Deiner Mitmenschen und richtest Dich tendenziell nach ihnen.


Deine eigenen Bedürfnisse bleiben dabei oft auf der Strecke, und zu einem »Nein« musst Du Dich regelrecht durchringen.


In der Kommunikation vergewisserst Du Dich häufig, ob Du alles richtig verstanden hast und nickst viel mit dem Kopf.


Auf Beziehungsebene:

Mit Kritik an Deiner Partnerin / Deinem Partner und der Formulierung eigener Wünsche tust Du Dich schwer.


Wenn Du Dich fragst »Trennung ja oder nein?«, machst Du Dir große Sorgen darüber, wie die Kinder sie verkraften und Freunde darüber denken werden.


3. Antreiber: »Streng dich an!«


Allgemein:

»Ohne Fleiß kein Preis« oder »Von nichts kommt nichts« – das sind Sprüche, die von Dir stammen könnten. Wenn Dir etwas nicht gelingt oder etwas nicht klappt, dann musst Du Dich eben noch mehr anstrengen.


Du neigst zu körperlichen Verspannungen und magst es nicht, wenn andere besser sind als Du.


Auf Beziehungsebene:

Faule Menschen sind Dir ein Dorn im Auge; das kann auch Dein Partner zu spüren bekommen.


Außerdem hältst Du womöglich zu lange an negativen Menschen fest, die Dich mehr belasten als bereichern.


4. Antreiber: »Sei stark!«


Allgemein:

Am besten soll niemand wissen, dass Du auch mal schwach und ratlos bist.


Gefühle zeigen ist nicht Deins – vor allem, wenn es um negative wie Traurigkeit, Angst oder Scham geht. Schließlich kennen Indianer keinen Schmerz, und Du hast gelernt, Dich zu beherrschen und Haltung zu bewahren.


Auf Hilfe von außen verzichtest Du wenn möglich und öffnest Dich emotional nur den vertrautesten Menschen.


Verbal neigst Du zu Verallgemeinerungen (»Das macht man so«) und setzt Dich gerne durch.


Auf Beziehungsebene:

Auch in einer Beziehung brauchst Du eine Weile, bis Du Gefühle zulassen und äußern kannst, und eine Partnerin / ein Partner mit zu viel 'Mimimi' geht gar nicht.


Dieser Antreiber kann außerdem bewirken, dass Du die Zähne zusammenbeißt und zu lange an einer unglücklichen, toxischen oder gar gewaltbereiten Beziehung festhältst.


5. Antreiber: »Sei perfekt!«


Allgemein:

Dieser Antreiber hat es in sich und ist bei vielen Menschen präsent. Er scheint Dir ständig »Du bist nicht gut genug!« ins Ohr zu flüstern. Dadurch entsteht der Druck, alles 1A, fehlerfrei und supergründlich zu machen, was sich u.a. in Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich äußern kann.


Mittelmäßigkeit und Fehler führen dazu, dass man nicht akzeptiert und wertgeschätzt wird – das ist Deine (unbewusste) Überzeugung. Deshalb hast Du am liebsten alles unter Kontrolle und fühlst Dich schnell schuldig, wenn Dir etwas misslingt.

Umgekehrt hältst Du es für selbstverständlich, wenn etwas klappt, und Lob spielst Du tendenziell herunter (»Ach, das ist doch nichts Besonderes!«).


In Gesprächen gehst Du gerne ins Detail oder / und versuchst Inhalte möglichst klar und strukturiert darzustellen (z.B. durch Aufzählungen).


Auf Beziehungsebene:

Du bist sehr streng mit Dir selbst; entsprechend hoch ist Dein Anspruch auch an Deine Partnerin / Deinen Partner.


Du mäkelst oft auch an Kleinigkeiten rum, brauchst aber gleichzeitig viel Anerkennung – keine einfache Kombi. 😅


Eine Trennung ist für Dich gleichbedeutend mit Scheitern. Darum hältst Du womöglich auch solche Verbindungen aufrecht, die Dir nicht (mehr) gut tun.


Teste Dich und Deine inneren Antreiber


Das waren sie also, die 5 inneren Antreiber. Falls Du Dir noch nicht sicher bist, wo Du Dich einordnen sollst und es ganz genau wissen willst (flüstert Dir vielleicht gerade eine Stimme zu: »Sei perfekt!«!? 🤭), dann kannst Du Dir hier einen Antreiber-Test herunterladen und weißt in wenigen Minuten Bescheid:


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Vielleicht denkst Du stattdessen aber auch: »Wo ist das Problem, Sandra? Ist doch 'ne feine Sache, wenn man schnell, gut und beliebt sein will?«


Die Frage ist also:


Sind innere Antreiber immer schlecht und schädlich?


Nein.


Das ist wie mit den meisten Dingen im Leben: es sind die Extreme, die selten gesund sind. Auf die Balance kommt's also an.


Perfektionist Johannes z.B. ist in seinem Job irre erfolgreich – einfach deshalb, weil er immer das Maximum gibt, sehr engagiert und besser als viele seiner Konkurrenten ist.


Irgendwann kippt das Ganze jedoch ins Negative und führt zu Problemen: Johannes sitzt nächtelang am Schreibtisch, weil die Präsentation nicht Mittelmaß, sondern absolute Spitzenklasse sein muss. Und danach kommt das Worksheet dran. Und am übernächsten Tag der Produktflyer. Und so weiter ... und so weiter.


Und irgendwann reicht seine Frau die Scheidung ein, weil Johannes nur noch zum Schlafen nach Hause kommt und zum dritten Mal den Kindergeburtstag der Kleinen vergessen hat.


Zwei Wochen später landet Johannes in einer Burnout-Klinik.


Damit es Dir nicht wie Johannes ergeht, willst Du Deine inneren Antreiber jetzt wahrscheinlich so schnell wie möglich loswerden. Verständlich. Allerdings: loswerden ist zu hoch gegriffen und hört sich auch gleich wieder so anstrengend an. Außerdem ist das gar nicht nötig, denn wie gesagt: in einem gesunden Maß kann ein kleiner Tritt in den Hintern ja durchaus hilfreich sein.


Es geht also darum, dass Du Deine Antreiber mäßigst und bändigst, wenn sie es übertreiben.


Lass uns anschauen, wie Du das schaffst:


Wie löst Du Dich aus dem Würgegriff der inneren Antreiber?


Eine weitere gute Nachricht vorneweg: Du warst und bist der Schöpfer Deiner Antreiber (wenn auch unbewusst). Damit bist Du doch auch die- oder derjenige, der umdenken und neue innere Überzeugungen entwickeln kann, nicht wahr? Und dabei springen Dir die sogenannten 'Erlauber' zur Hilfe.


Das Schlüsselwort für den Umgang mit Deinen Antreibern lautet 'Erlauber'.


O.k., im Duden steht der Begriff 'Erlauber' nicht, aber er hört sich wunderbar an, nicht wahr? Leicht, gelöst, sanft ... wie eine frisch-milde Meeresbrise.


Du wirst die befreiende Wirkung spüren, wenn Du jedesmal, wenn Dir die Präsenz eines Antreibers bewusst wird, einen passenden Erlauber aktivierst.


Hier kommen ein paar Beispiele für Erlauber:


  • Wenn Du von Deinem Antreiber hörst: »Beeil Dich!«, dann entgegnest Du: »Ich darf Pausen machen«, »Ich erlaube mir, mir die Zeit zu nehmen, die ich brauche« oder »In der Ruhe liegt die Kraft«.

  • Wenn der Antreiber sagt: »Mach es allen recht!«, dann antwortest Du: »Ich darf auch auf meine Bedürfnisse achten« oder »Ich darf auch 'Nein' sagen«.

  • Wenn sich der Antreiber mit »Streng Dich an!« meldet, dann sag Dir: "Arbeit darf auch Spaß machen«, »Es darf auch leicht gehen« oder »Ich erlaube mir Genuss!«

  • Wenn Dein Antreiber anordnet: »Sei stark!«, melde ihm zurück: »Ich darf mich und meine Gefühle zeigen!« oder »Ich erlaube mir, Hilfe anzunehmen!«

  • Wenn der Antreiber mit »Sei perfekt!« Druck macht, dann reagiere mit: »Ich genüge!«, »80 % an einem Tag ist besser als 100 % an drei Tagen!« oder »Ich darf auch Fehler machen!«


Je häufiger Du Deine inneren Antreiber im Alltag bemerkst und entlarvst und je entschlossener Du ihnen die passenden Erlauber gegenüberstellst, desto schneller werden sich die betreffenden Situationen, Deine Beziehungen und Du selbst entspannen.


Seeehr wohltuend ... Glaub mir: ich hab's selbst mit meinen beiden Hauptschurken Nr. 3 und 5 erlebt.


Nun wünsche ich Dir viel Erfolg bei der Bändigung Deiner inneren Antreiber!


Herzliche Grüße aus dem Blauen Sessel




P.S.: Falls Dein Problem-Schuh (noch) an anderen Stellen drückt, vereinbare gern ein kostenloses Erstgespräch mit mir, in dem wir klären, wie Du Deine Beziehungskrise überwinden und bald wieder unbeschwert durchs Leben gehen kannst. 👉 Jetzt Erstgespräch buchen (gratis)

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